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Wenn Essen krank macht

Ob Milch, Fruktose oder Weizen: Manche Menschen reagieren darauf mit Beschwerden. Vier Schritte, um die Ursachen für Unverträglichkeiten abzuklären
von Simone Scheufler, aktualisiert am 11.11.2015

Obst, nein danke! Mancher verträgt nur wenig Fruchtzucker

W&B/Achim Graf

Magengrimmen nach dem Frühstück? Bestimmt war der Milchkaffee schuld. Regelmäßig bläht sich der Bauch? Wahrscheinlich esse ich zu viel Obst. Über Monate immer wieder quälende Übelkeit? Vielleicht vertrage ich keinen Weizen, ab sofort verzichte ich lieber auf Brötchen und Nudeln.

Der Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeit scheint im Trend zu liegen. "Generell muss man aber sagen, dass sogenannte Intoleranzen nicht so häufig vorkommen, wie viele glauben", sagt Professorin Margitta Worm vom Allergiezentrum der Charité in Berlin. Und ob hinter Beschwerden eine Intoleranz steckt, ist nicht so einfach herauszufinden.
Zunächst sollte man beobachten, ob die Symptome wiederholt nach der Aufnahme eines bestimmten Nahrungsmittels auftreten. Ist das der Fall, hängt es stark von den Symptomen ab, wie bald ein Arz­tbesuch notwendig wird. "Kommt es nach dem Verzehr etwa einer Erdnuss oder eines Weizentoasts zu Magen-Darm-Problemen, Atembeschwerden und Ausschlag, sollte man es nicht noch einmal ausprobieren", rät Margitta Worm. Lieber schnell eine Expertenmeinung einholen. Es könnte sich um eine Allergie handeln, die unbehandelt im Extremfall zu einem allergischen Schock mit lebensgefährlicher Atemnot und Kreislaufproblemen führt.

1. Andere Ursachen ausschließen

Bei Nahrungsmittel-Allergien handelt es sich um eine Reaktion des Immunsystems. Bei Intoleranzen hingegen liegen Stoffwechselprobleme zugrun­de. Wer zum Beispiel Laktose (Milchzucker) nicht verträgt, hat zu wenig von einem bestimmten Enzym im Darm, sodass der Milchzucker aus der Nahrung nicht aufgespalten und nicht richtig verdaut werden kann. Macht sich Fruktose durch starke Blähungen bemerkbar, ist die Kapazität eines speziellen Transportersystems im Darm überschritten. Unverdaut gelangt der Fruchtzucker dann in tiefere Darmabschnitte, wo sich verstärkt Gas bildet.

Doch Beschwerden wie Bauchweh, Krämpfe, Übelkeit oder Durchfall können auch Symptome zahlreicher anderer Erkrankungen sein, die ein Facharzt wie ein Gastroenterologe ausschließen sollte. Dazu gehören etwa chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, bakterielle Infektionen oder ein Reizdarm-Syndrom.

"Außerdem können Unverträglichkeiten entstehen, weil jemand eine Entzündung auf der Darmschleimhaut hat oder eine Allergie, die aber bisher nicht erkannt worden ist", sagt Professorin Yurdagül Zopf, die den Bereich Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Erlangen leitet. "Lassen Patienten dann nur bestimmte Lebens­­­mittel weg, geht es ihnen trotzdem nicht gut, weil sie eigentlich ein anderes Problem haben." Wird eine Grunderkrankung dagegen festgestellt und behandelt, verschwindet in der Regel auch die damit einhergehende Intoleranz.

2. Tagebuch führen

Liegt jedoch der Verdacht einer Unverträglichkeit nahe, empfiehlt es sich, über cirka zwei Wochen ein Ernährungstagebuch zu führen – also genau aufzulisten, was man wann verzehrt hat und wann welche gesundheitlichen Probleme aufgetreten sind. "Intoleranzen, aber auch Allergien können nicht nur innerhalb einiger Stunden entstehen, sondern bis zu zwei Tage nach dem Verzehr", erklärt Expertin Zopf.

3. Beim Arzt testen lassen

Ein Wasserstoff-Atemtest bringt ein eindeutiges Ergebnis in Bezug auf
eine Laktose- oder Fruktose-Intoleranz. Der Patient trinkt eine Milch- oder Fruchtzuckerlösung. Im Darm wird der Zucker durch Bakterien zersetzt, die Wasserstoff produzieren. Durch die Darmwand gelangt dieser ins Blut und wird über die Lunge abgeatmet. Bei einer Unverträglichkeit ist der Wasserstoffgehalt in der Atem­luft des Patienten erhöht.

Der Nachweis einer Reaktion auf Weizen erfordert dagegen mehr Aufwand. Eine Allergie kann durch Blut- und Hauttests meist eindeutig festgestellt werden. Geht es um eine entzündliche Reaktion des Darms auf das Klebereiweiß Gluten, auch Zöliakie genannt, sind die Bestimmung spezieller Antikörper im Blut und eine Dünndarmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben die Standardmethode.

"Trotzdem dauert es oft viel zu lange, bis man eine gesicherte Diagnose bekommt", kritisiert Zopf. "Manchmal nehmen Ärzte Beschwerden ihrer Patienten nicht ernst genug. Oder sie denken in der Alltagsroutine nicht an Zöliakie, wenn der Patient keine Darm-, sondern Hautprobleme hat." Wird auf Zöliakie getestet, sei es zudem wichtig, dass sich Betroffene nicht schon länger glutenfrei ernährt haben. "Sonst kann man die Anti­körper gegen die Glutenbestandteile im Blut nicht mehr nachweisen."

In die aktualisierten Behandlungsleitlinien zur Zöliakie wurde die sogenannte Weizensensitivität aufgenommen. Es ist eine Ausschlussdiagnose, die etwas umständlich als "Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität" betitelt wird. "Manche Patienten haben Magen-Darm-Probleme, aber die Mehrheit kommt mit anderen chronischen Erkrankungen wie Rheuma, Neurodermitis oder multipler Sklerose", sagt Professor Detlef Schuppan, Leiter des Instituts für Translationale Immunologie der Universitätsmedizin Mainz.

Ursache sei nicht das Gluten, sondern eine Reihe ebenfalls in glutenhaltigem Getreide vorkommender Proteine, der Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI). "Den Patienten geht es oft deutlich besser, wenn sie sich gluten- und damit ATI-frei ernähren", so Schuppan. Sie müssen aber meist nicht so strikt Diät halten wie Allergiker oder Patienten mit Zöliakie.

4. Individuellen Speiseplan erstellen

Es gibt keine Standardempfehlungen für den Speiseplan von Menschen mit Unverträglichkeiten. "Das ist individuell unterschiedlich", sagt Allergologin Worm. "Kleine Mengen an Käse etwa werden oft auch von Patienten mit Laktose-Intoleranz vertragen." Nur Ausprobieren bringt die Lösung – und eine Ernährungsberatung, die sich an die Diagnose anschließen sollte.

Je nach Unverträglichkeit können gluten- oder laktosefreie Lebensmittel eine Hilfe sein. Wer aber irrtümlicherweise glaubt, an einer Intoleranz zu leiden, und deshalb Spezialprodukte kauft, hat keine gesundheitlichen Vorteile – sondern lediglich höhere Rechnungen im Supermarkt.

Vor allem aber ist eine eindeutige Diagnose wichtig, weil man nur so die richtige Therapie wählen und Beschwerden lindern kann. Wer nicht zum Arzt geht, schränkt seinen Speiseplan vielleicht sogar zu stark ein. Und wer verzichtet gern freiwillig? Gutes Essen bedeutet schließlich ein großes Stück Lebensqualität – zum Beispiel Omas Sandkuchen am Sonntag oder eine Tasse Milchkaffee zum Frühstück.



Bildnachweis: W&B/Achim Graf

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