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Weshalb Fett der Leber schadet

Die meisten Leberschäden ruft nicht mehr Alkohol hervor – sondern Übergewicht. Das verfettete Organ leidet still und ist eine Gefahr für die Gesundheit
von Barbara Kandler-Schmitt, 17.10.2016

Vorsicht Übergewicht: Bauchfett kann der Leber zusetzen

Getty / iStock

Eigentlich wäre die Leber ein guter Arbeitnehmer. Über viele Jahre verrichtet sie zuverlässig ihren Dienst. Ist belastbar, flexibel und multitaskingfähig. Wächst mit ihren Aufgaben, steckt auch mal einen Rückschlag weg. Und wenn sie leidet, dann still. Hat unser zentrales Stoffwechselorgan jedoch wortwörtlich zu viel "in sich hineingefressen", kann es das Betriebsklima empfindlich stören.

Und zwar nicht nur in der eigenen Abteilung, sondern in der ganzen Belegschaft: "Die Fettleber ist eine Multisystem-Erkrankung, die den gesamten Stoffwechsel beeinträchtigt", sagt Professor Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover. "Vor allem erhöht sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes."

Übergewicht und Diabetes sind Hauptrisikofaktoren

Umgekehrt begünstigt ein bestehender Diabetes Fetteinlagerungen in der Leber. "Bis zu 90 Prozent der stark Übergewichtigen und fast 70 Prozent der Typ-2-Diabetiker haben eine Fettleber", weiß Manns. Wurde die Leberverfettung früher vor allem einem übermäßigen Alkoholkonsum zugeschrieben, gelten heute Übergewicht und Diabetes als Hauptrisikofaktoren. Auch Infektionen wie Hepatitis C und manche Medikamente begünstigen die Schäden an der Leber.

Inzwischen ist in Deutschland jeder dritte Erwachsene betroffen. Das Bauchfett gilt dabei als besonders gefährlich für die Leber. Anders als Unterhautfettgewebe gibt es entzündungsfördernde Botenstoffe und vermehrt freie Fettsäuren ab – und erhöht so das Risiko, an Stoffwechselleiden und Bluthochdruck zu erkranken. Männer sind ab einem Bauchumfang von 102 Zentimetern gefährdeter, Frauen ab 88 Zentimetern.

"Dagegen haben die Fettpolster an Beinen, Hüfte und Po sogar eine gewisse Schutzfunktion", sagt Professor Norbert Stefan vom Lehrstuhl für klinisch-experimentelle Diabetologie am Uni-klinikum Tübingen. Wie ein Schwamm ziehe das Unterhautfettgewebe freie Fettsäuren aus dem Blut und schütze so die Gefäße vor Ablagerungen.

Ungesunde Ernährung schadet der Leber

An welchen Körperstellen sich überflüssige Pfunde bemerkbar machen, ist in der Regel genetisch bedingt und von uns nicht beeinflussbar. Allerdings kann man richtig darauf reagieren: "Wer zum Bauchansatz neigt, sollte besonders auf seine Ernährung achten", sagt Experte Manns.

Offenbar setzt eine kalorienreiche, fett- und zuckerreiche Ernährung der Leber ebenso zu wie größere Mengen Alkohol. Ein Überangebot an Nahrungsfetten und Kohlenhydraten kann sie nicht mehr vollständig verarbeiten und lagert Fett in ihren Zellen ein.

Professor Norbert Stefan

W&B/Bernhard Kahrmann

Symptome treten erst spät auf

Lange Zeit geschieht dies schleichend und unbemerkt. Erst wenn das Organ schon stark vergrößert ist, kommt es zu Symptomen wie Druckgefühl im Oberbauch, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Gefährlich wird es, wenn sich das verfettete Gewebe entzündet. "Bis zu 30 Prozent der Betroffenen entwickeln eine nichtalkoholische Fettleber-Hepatitis, aus der eine Zirrhose oder ein Leberkrebs entstehen kann", sagt Stoffwechsel-Experte Stefan.

Weil eindeutige Warnsignale ausbleiben, wird eine Fettleber oft zufällig bei einem Ultraschall des Bauchraums entdeckt. Dann ist sie nicht selten bereits entzündet oder gar irreparabel geschädigt. "Die Leberwerte sind nur bei jedem zweiten Betroffenen erhöht", sagt Stefan. Das Ausmaß der Schädigung sei deshalb schwer einzuschätzen. Bislang sei dies nur durch eine Biopsie möglich, bei der der Arzt eine Gewebeprobe des Organs entnimmt.

Fettleber geht mit Zucker- und Fettstoffwechselstörungen einher

Bei vielen Patienten ist zum Zeitpunkt der Diagnose bereits der Zucker- und Fettstoffwechsel gestört. "Stellt der Arzt eine Fettleber fest, muss er immer auch Blutdruck, Blutzuckerspiegel und Blutfettwerte des Betroffenen im Blick haben", sagt Gastroenterologe Manns.

Die komplexen Zusammenhänge zwischen der Fettleber und stoffwechselbedingten Erkrankungen wie Diabetes sind Gegenstand intensiver Forschung. Norbert Stefan untersucht das Phänomen seit Jahren: "Fetteinlagerungen in der Leber erhöhen den Blutzuckerspiegel, sodass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr mit der Bildung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin hinterherkommt." Außerdem gebe die verfettete Leber große Mengen an Cholesterin und sogenannten Neutralfetten an das Blut ab, was Ablagerungen in den Gefäßen fördere.

Änderung des Lebensstils nötig

Und schließlich konnte das Team um Stefan zeigen, dass die Leber bei erhöhtem Fettgehalt vermehrt entzündungsfördernde Eiweißstoffe bildet. Diese erhöhen wiederum das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck. "Die Bestimmung dieser Hepatokine im Blut könnte künftig helfen, eine Fettleber früher zu diagnostizieren und vor allem bei normal- und leicht übergewichtigen Menschen das Risiko für Stoffwechselerkrankungen besser vorherzusagen", erklärt Stefan.

Dies sei umso wichtiger, als sich das Lebergewebe bei frühzeitiger Diagnose wieder regenerieren kann. Vorausgesetzt, die Auslöser der Verfettung werden beseitigt und konsequent gemieden. An einer Änderung des Lebensstils führt für Patienten folglich kein Weg vorbei.

"Übergewichtigen empfehlen wir, ihr Gewicht um fünf bis zehn Prozent zu verringern", sagt Manns. Das Abnehmen bessere selbst Vorstufen einer Zirrhose. Der Experte rät zu einer vollwertigen, kalorienreduzierten Kost. Radikale Fastenkuren dagegen sind in der Regel nicht mit lang anhaltendem Erfolg verbunden und können das Stoffwechselorgan zusätzlich belasten.

Noch keine Leber-Medikamente zugelassen

Ebenfalls wichtig: körperliche Aktivität. Doch wer der Leber etwas Gutes tun will, muss nicht zum Leistungssportler werden. Einer aktuellen Studie zufolge senkt regelmäßiges Walking die Leberfette genauso effektiv wie intensives Joggen. Experte Manns: "Wir empfehlen dreimal wöchentlich mindestens 30 Minuten moderates Ausdauertraining."
Nicht bei allen Patienten bringt ein gesünderer Lebensstil die erhoffte Besserung. Die Suche nach geeigneten Leber-Medikamenten läuft deshalb seit Jahren auf Hochtouren. Derzeit werden mehrere aussichtsreiche Kandidaten an Patienten getestet. "Doch keiner hat bislang die Hürde der Zulassung genommen", bedauert Stefan, der mit seiner Arbeitsgruppe selbst an einem Wirkstoff arbeitet.

Dieser hängt ebenso in der Warteschleife wie die Obeticholsäure oder das für Typ-2-Diabetes bereits zugelassene Pioglitazon. Zwar senken diese Wirkstoffe den Fettgehalt der Leber und hemmen Entzündungen. Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und Fettstoffwechselstörungen erschweren allerdings die Zulassung.

"Aber selbst wenn sich die medikamentöse Therapie irgendwann durchsetzen sollte, macht sie nur zusammen mit einer Lebensstiländerung Sinn", so Mediziner Stefan. "Wer zu viel Alkohol trinkt und sich falsch ernährt, braucht zunächst keine Chemie mit Nebenwirkungen. Da helfen Ernährungsumstellung und Abstinenz."



Bildnachweis: Getty / iStock, W&B/Bernhard Kahrmann

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